Mössingen, die Blumenstadt

Die Anfänge der Blumenstadt Mössingen

Blumenstadt wird man nicht von heute auf morgen. Der Weg dorthin war buchstäblich steinig, schweißtreibend und nicht immer vor Rückschlägen gefeit.

Blumengesäumter StraßenrandBild vergrößern
Blumengesäumter Straßenrand

Am Anfang stand, eigentlich typisch für Mössingen, nicht der Wunsch, die Stadt schöner zu machen, sondern die Notwendigkeit Geld zu sparen. Das Stadtsäckel war zu Beginn der 90er Jahre bedenklich leer geworden. Vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung wurde in allen Bereichen versucht, den leeren Kassen durch Einsparungen bei freiwilligen Leistungen und Rationalisierung von Aufgaben zu begegnen. Ein gewichtiger Faktor in allen Diskussionen war - wie immer in solchen Fällen - der Personalaufwand.

Da kam die Vision eines Mannes gerade gelegen, dass es doch möglich sein müsste, durch Abkehr vom pflegeintensiven Standard "Rasen" (mit zahlreichen Mähintervallen zwischen Frühjahr und Herbst, intensiven Dünge- und Bewässerungserfordernissen) Kosten einzusparen. Denn als Ersatz hatte Stadtgärtnermeister Dieter Felger eine geradezu geniale Idee.

An der AlleeBild vergrößern
An der Allee

Warum nicht stattdessen Blumen einsäen? Werden die Naturwiesen der Streuobstbestände traditionell nicht auch nur 2-3 mal jährlich gemäht? Kommen sie nicht grundsätzlich ohne Dünger und künstliche Bewässerung aus?

Warum dieses in Mössingen stets gegenwärtige Vorbild nicht in die Stadt (über)tragen!

Die Idee fand im Rathaus schnell Anklang - rief darüber hinaus aber auch Skeptiker auf den Plan. Eine groß angelegte Referenzuntersuchung bestätigte aber 2005, dass die Mössinger Blumenwiesen grundsätzlich preisgünstiger zu pflegen sind, als konventionelle Rasenflächen.

Doch zurück... Etwa 1992 erfolgten erste Versuche auf einzelnen Flächen. Der üppigeren Blütenpracht wegen ("das Auge entscheidet mit") zunächst mit Blumen des traditionellen Bauerngartens, zum Beispiel Klatschmohn, Schmuckkörbchen (Cosmea), Ringelblumen und Winden.

Atlasblumen an der Ofterdinger StraßeBild vergrößern
Atlasblumen an der Ofterdinger Straße

1995 wurde als wichtigste Straßenverbindung im südlichen Mössingen die Allee Kanton Saint-Julien gebaut und eingeweiht. Diese Straße säumen nicht nur zahlreiche Bäume. Breite Grünstreifen grenzen die Fahrbahn von den Gehwegen ab. Hier säte die Stadtgärtnerei erstmals eine naturnahe Blumenwiese aus, anstatt wie bis dato üblich monotonen Rasen. Vorbild waren die artenreichen Wiesen rund um Mössingen, welche auf diese Weise der Stadt und den Menschen buchstäblich nahe gebracht werden sollten. Kein Zufall war es dabei, dass die ausgewählten Grünstreifen direkt ans Mössinger Schulzentrum grenzen und der tägliche Weg vieler Schüler daran vorbeiführt.